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Gesundes Becken, glücklicher Beckenboden

Haben Sie sich schon mal gefragt, was es mit den Bewegungen Ihres Beckens, Beckenbodens und den damit verbundenen Beschwerdebildern auf sich hat?

 

Nein?

 

Dann gehören Sie mit zu den meisten Menschen, für welche die untere Körperhälfte nicht so richtig bewusst ist. Sie ist einfach da und funktioniert. Und das war's dann.

 

In diesem Artikel erfahren Sie etwas über Ihr Becken, das Sie bisher noch nicht gewusst haben! Er soll Ihnen helfen, Ihr Becken als Ihren Kraftort zu entdecken, mit dem Sie eine gute Beziehung pflegen.

Zentrum Ihres physischen und energetischen Systems

Das Becken des Menschen ist das grösste Kraft-Reservoir und gleichzeitig ein sehr verletzlicher, sensibler und häufig blockierter Raum. Der Beckenboden mit seinen Verbindungen zum Nervensystem, zur Wirbelsäule und den inneren Organen spielt eine ganz zentrale Rolle für die Vitalität eines Menschen.

 

Dieser Überzeugung war zumindest Dr. Randolph Stone, der Begründer der Polarity-Therapie.

 

Da wir uns im Westen hauptsächlich auf unseren Intellekt konzentrieren, ist uns die zentrale Rolle des Beckens selten präsent. Wir leben buchstäblich nur mit unseren Köpfen. Wir fühlen die Stabilität und Stärke unseres Beckens nicht mehr, weil dieses sich meistens ausserhalb unseres Bewusstseins befindet.

 

Der Beckenboden ist die zentrale Position im Becken und DER Schlüssel zu Ihrer Atmung, zur Koordination aller Ihrer Bewegungen, zum Gleichgewicht und zu guter Körperhaltung. Der Beckenboden spielt auch eine Schlüsselrolle für das Gleichgewicht Ihres parasympathischen Nervensystems (Entspannung, Erholung) und damit in der Heilung von verschiedenen psychosomatischen Beschwerden.

 

Wenn Sie in den Genuss von Beckenbodenarbeit kommen, können sich sehr oft sensorische, emotionale oder mentale Blockaden zeigen, entspannen und auflösen.

Der vergessene Schwanz

Aus evolutionärem Blinkwinkel gesehen ist für uns Menschen der Beckenboden etwas ganz Neues. Damit wir als Vierbeiner aufstehen, auf zwei Beinen durchs Leben gehen und uns bewegen können, musste sich ein Teil der Körpermuskulatur verändern, um die Organe zu stützen und zu stabilisieren.

 

Dazu schauen wir uns jetzt das Steissbein an. Das Steissbein als das Überbleibsel eines einst fröhlich wedelnden Schwanzes! Ein kleines Detail, das wir seit der Jäger-Sammler-Zeit leider aus den Augen verloren haben: wir haben vergessen, wie es ist, den Schwanz hochsteigen zu lassen.

 

Der Mensch ist für die Bewegung gemacht – den grössten Teil unserer Zeit sitzen wir aber ab. Dafür verwenden wir Stühle und Möbel, die zu unserer Bequemlichkeit und unserem Komfort optimiert und konstruiert wurden. In der Regel sind sie weder ergonomisch angepasst, noch dazu gemacht, einen gesunden Beckenboden zu erhalten.

 

Wer würde auch an so etwas schon denken?

 

Unsere Stühle, Sofas, Sessel und sonstige Sitzgelegenheiten dienen uns deshalb nicht als entlastende Stützen.

 

Was, wenn die Sitzflächen so konstruiert wären, dass wir unsere Sitzhöcker benutzen könnten und die Muskeln des Beckenbodens beim Sitzen entspannt blieben, d.h. leicht nach vorne geneigt?

Der Beckenboden würde die Bewegung zwischen Beckenkamm und Sitzbeinhöcker wieder selbst regulieren und die Lendenwirbelsäule unterstützen!

 

Durch das falsche Sitzen wird die Beckenbodenmuskulatur verkürzt und mit der Zeit benutzen wir stattdessen die Knie.

 

Und das ist falsch!

 

Wir scheinen in einer Welt zu leben, die uns ermutigt, mit eingezogenem Schwanz herum zu sitzen!

 

Bewegung beeinflusst den Körper in Bezug auf die Schwerkraft. Meine persönlichen Erfahrungen, aber auch meine Erfahrung aus der Praxis zeigen, dass die Art und Weise, wie wir uns bewegen, uns nicht nur „mechanisch“ beeinflusst, wie viele von uns glauben mögen, sondern wirklich auch biochemische Veränderungen auf der Zellebene beeinflusst, indem sie uns von innen heraus verändert. Dabei handelt es sich um einen natürlichen Körperprozess, der sich stetig anpasst und durch unsere Bewegungen geformt wird.

 

In unserer westlichen Gesellschaft existiert ausserdem der gut verbreitete Mythos, dass Probleme des Beckenbodens die Konsequenzen seien aus Schwangerschaft, Geburt oder das Altern bei den Männern. Kein Mensch denkt daran, nach tieferen Gründen zu suchen, unseren Lebensstil wie auch unsere Körperbewegungen anzusehen.

 

Haben Sie gewusst, dass die anatomische Funktion des Steissbeines der Überrest eines Schwanzes ist - unter anderem, um das Öffnen und Schliessen unserer Beckenbodenausgänge zu kontrollieren? 

Wenn Sie einen Hund beobachten oder ein anderes Tier mit Schwanz, erkennen Sie bald einmal, dass sie ihren Schwanz hoch halten und fröhlich wedeln, wenn sie in guter Stimmung sind. Und das ist ihre natürliche Haltung, dank der ihr Beckenboden beweglich und entspannt bleibt!

Wenn Sie einen Hund beobachten, der seinen Schwanz nach unten zwischen seinen Hinterbeinen hält, ist dies normalerweise ein Zeichen dafür, dass er sich in einem Kampf-Flucht-Modus befindet, sein Beckenboden ist dann sehr gespannt, als Teil seines ganzen Körpers, der auf die Gefahr reagiert. Auch wenn wir Menschen mit dem Steissbein nur noch den Beginn von etwas haben, das einmal der richtige Schwanz eines Säugetiers war, so verhält es sich heute noch genau gleich. Das Schwanzbein (Steissbein) zurücklegen und hoch halten öffnet den Beckenbodenausgang, nach unten anlegen schliesst ihn und zieht den Beckenboden zusammen.

 

Der Hund mit dem Schwanz zwischen den Beinen entspricht dann dem Menschen, der auf seinem Kreuzbein (Sacrum) sitzt, der Rücken durch eine Stuhl- oder Sofalehne unterstützt. Verbringst du mehrere Stunden pro Tag in dieser Position, hat dein Beckenboden keine Chance, sich zu entspannen. So verkürzt sich allmählich die Muskulatur.

 

Entspannen heisst, den Muskelfasern zu erlauben, in Ruheposition ihre natürliche Länge zurückzugewinnen.

 

Eric Franklin („Pelvic Floor“) vergleicht die natürlichen Bewegungen des Beckenbodens mit einem Drachen:


"Wenn du aufstehst, hebt dein Beckenboden leicht ab und zieht sich zusammen, ähnlich wie ein Drachen, der sich dem Wind zukehrt und dann abhebt. Umgekehrt, wenn du dich auf deine Sitzhöcker hinsetzst (mit zurückgelegtem Schwanz), weitet sich der Beckenboden und entspannt sich zu seiner vollen Länge, wie ein Drache, der herabsteigt, sich öffnet und landet."

 

Was passiert, wenn wir dem Beckenboden niemals erlauben, sich zu entspannen? Hier die Antwort auf diese Frage.

Verspannte Muskeln sind keine starken Muskeln

Ein optimal funktionierender Beckenboden kann mit einem Trampolin oder einer Hängematte verglichen werden. Er stützt das Gewicht aller Beckenorgane und erlaubt einiges an zusätzlicher Belastung (klassische Beispiele: Schwangerschaft, Übergewicht). Je nach Gesundheitszustand und seinen elastischen Muskelfasern ist der Beckenboden auf seine natürliche Art in der Lage, sich anzuspannen und zu entspannen.

 

Der Beckenboden bildet, wie der Name schon sagt, den Abschluss des Beckens nach unten. Er hat damit eine wichtige statische Funktion. Spannungen können zu Fehlstellungen und vermeintlichen Beinlängendifferenzen führen. Ein elastisch gespannter, nicht verspannter Beckenboden hingegen stützt die inneren Organe, entlastet die Wirbelsäule und lässt uns kraftvollen Schrittes durchs Leben gehen.

 

Bleiben die Muskeln die ganze Zeit verkürzt, können sie ihre Funktion nicht optimal erfüllen. Und weil sich unser Körper auf natürliche Weise an die Art, wie wir ihn gebrauchen anpasst, bewegen wir uns allmählich nur noch mit verkürzten Muskeln durchs Leben.

 

Dies wird weiter verschärft durch Beckenbodenübungen auf der Basis „je mehr, desto besser“. Wenn du die Kontraktion der Muskeln isoliert vom Rest des Körpers ständig wiederholst und übst, ohne volles Entspannen zu erlauben, erhälst du verspannte und harte Muskeln.

 

Verspannte, harte Muskeln sind KEINE starken Muskeln!

 

Ein starker Muskel ist imstande beides zu tun: voll zusammenziehen und voll entspannen.

Natürlich gesund bewegen

Ich steh persönlich ein für ein gesundes, starkes Becken. Der Körper soll ganzheitlich zu seinen natürlichen und gesunden Bewegungen zurückfinden können. Bewegt sich der Körper natürlich und gesund, hat dies Auswirkungen auf unseren Lebensstil und auf die Art, wie wir durch das Leben gehen. Dies gilt in erster Linie für das Becken und den Beckenboden. Ich empfehle Ihnen deshalb:

 

Benutzen Sie Ihren Körper!

 

Der Körper ist das Haus der Seele (Dr. R. Stone). Damit Sie vital und gesund durchs Leben gehen können, ist es sinnvoll, die ganze Kraft des Körpers zur Verfügung zu haben. Es ist wie mit der Wohnung oder dem Haus, in der/dem Sie leben. Sie sind auch daran interessiert, die ganze Wohnung oder das ganze Haus nutzen zu können. Und Sie tun alles daran, es sich gemütlich und warm einzurichten. 

 

Geben Sie Ihrem Körper und Ihrer Seele also dasselbe Recht!

 

Bringen Sie mehr natürliche Bewegung in Ihr Leben!

 

Unabhängig von jeglichem Üben hilft es Ihnen schon sehr, wenn Sie beginnen, sich

  • hinzuhocken, um mit Ihren Kindern zu spielen;
  • hinzuhocken, um Dinge vom Boden aufzunehmen;
  • hinzuhocken, um die Zeitung zu lesen und
  • auch auf der Toilette auf die Schüssel zu hocken, statt zu sitzen

Ja, auch unsere modernen Toilettenschüsseln sind nicht gemacht für eine optimale Körperausscheidung! Und mit Hinhocken meine ich in die nachfolgend abgebildete Hockstellung.

 

Integriere gezielte Bewegungen und auch einige persönliche Übungen in den Alltag, dann können die Muskeln Ihres Beckengürtels selbst wieder anfangen stärker zu werden und können Sie Ihren „Schwanz“ befreien, damit er auf die Anforderung der natürlichen Bewegungen antworten kann. Dies ist ein grosser Unterschied in Bezug auf Ihre Beckenbodengesundheit und dem allgemeinen Level Ihres Wohlbefindens.

 

"Lassen Sie Ihren Schwanz hochsteigen und sitzen Sie auf den Sitzbeinhöckern, gehen Sie mehr und öfters, hocken Sie mehr, bewegen Sie Ihren Körper mehr".

Ein Baby bei der Geburt "rausatmen"

Dazu muss erst der Schwanz hochgestellt werden.

 

Wenn Sie als Frau wieder lernen, den „Schwanz zurückzulegen“, realisieren Sie möglicherweise, warum Sie bei der Geburt das Baby stets hinaus pressen müssen, statt sanft nach unten zu gebären und einfach die Schwerkraft ihre Arbeit machen zu lassen.

Stattdessen lernen Sie alle diese wundervollen Entspannungstechniken beherrschen in den Geburtsvorbereitungen.

 

Anatomisch gesehen muss der Beckenboden entspannen, damit das Baby auf die Welt kommen kann und möglicherweise können Sie das nicht – mit nach unten angelegtem Schwanz. Sie können dann nur mit Muskelkraft (querverlaufende Bauchmuskeln und Zwerchfell, Instruktionen mit Atmen und Stossen) gegen Ihren Beckenboden pressen. Und das ist ein sicherer Weg zu einem Dammriss und möglicherweise Dysfunktion des Beckenbodens.

 

Glücklich diejenigen, die trotz athletischer Herausforderung einer solchen Geburt, keine nachhaltigen Störungen davon tragen. Das ist möglicherweise dann so zu erklären, dass der Körper bei der Geburt im letzten Moment vollständig die Kontrolle übernimmt – seinen Urinstinkten folgt und den Beckenboden mit einem „Sprung“ vollständig öffnet.

 

Das Hocken und kniend mit gerundetem Rücken würde viel zu einer unterstützenden Niederkunft beitragen.

 

Katy Bowman sagt dazu ganz in meinem Sinn:

 

„Die moderne Geburtswissenschaft setzt grossen Schwerpunkt auf sich absondernde Hormone (wie Relaxin), um den Körper für seine notwendige Mobilität vorzubereiten. Ja, das Hormon Relaxin ist wertvoll, wenn es darum geht, den Körper für die Geburt zu öffnen, aber es ist nicht genug. Es sei denn, Sie haben starke Muskeln, die voll zusammenziehen, aber auch vollständig entspannen können. Doch auch starke, isolierte Muskeln sind nicht genug. Um eine reibungslose Geburt zu erleben, benötigen Frauen eine Ganzkörperausdauer. Eine wirklich grossartige Art, Ausdauer zu entwickeln ist - zu gehen. So lange und so oft wie möglich. Frauen, die einen natürlichen Geburtsprozess wünschen, können auch anderen „natürlichen“ Prozessen folgen, wie es Frauen seit Millionen von Jahren tun: 8 – 10 Kilometer pro Tag gehen und mehrmals täglich hocken“.

Der Beckenboden in der Polarity Therapie

Beckenbodenarbeit klingt für Aussenstehende zuerst nicht gerade einladend. Ein Bereich, der viel zu intim ist, als dass wir ihn berührt haben wollen. Vielleicht gar zu unbewusst, um ihn selber näher zu entdecken.

 

Wer jedoch in den Genuss einer Beckenbodenbehandlung gekommen ist, wer gespürt hat, wie sich das Nervensystem beruhigt, wie Kopfschmerzen verschwinden, wie Kraft ins Becken und aus der Tiefe nach oben strömt, wer plötzlich mehr Boden unter sich hat, gerader steht oder mehr in sich ruht, ist froh um die heilsame Wirkung dieser Techniken. Warum der Beckenboden so besonders ist und eine dermassen grosse Wirkung auf unser Wohlbefinden und unsere Vitalität hat, lässt sich sowohl anatomisch, als auch energetisch erklären.

 

Im Becken befinden sich die Organe der Fortpflanzung und Ausscheidung. Themen wie Sexualität, Gefühle, Festhalten und Loslassen, Bindung und Verhaftung, aber auch Regeneration haben hier ihren Raum und damit Einfluss auf den Beckenboden. In der Schwangerschaft kommt ihm eine besonders tragende Rolle zu, was ihn manchmal schlapp und taub werden lässt. Liebevolle Zuwendung und eine bewusste Kontaktaufnahme erwecken ihn meist effektiver zu neuem Leben als ein stupides Abturnen von noch so passenden Übungen.

 

Unbewusste Gefühle oder Quelle der Kraft

 

Randolph Stone vergleicht den Beckenboden mit dem Tartaros. Das ist in der griechischen Mythologie der Teil der Unterwelt, der noch hinter dem Hades liegt, das Höllenfeuer, der Ort der ewigen Qualen und Strafen. Damit soll zum Ausdruck gebracht werden, dass wir in diesem Teil unsere unbewusstesten Anteile abspeichern, Gefühle, die sonst keinen Platz finden, "Altlasten«, die wir versuchen zu verdrängen. Auch auf körperlicher Ebene lagern sich hier oft Schlacken, Eiter und all das ab, was im Rumpf nach unten sinkt und nicht entsorgt wird. Sind diese Dinge erst einmal dort angekommen, tauchen sie so leicht nicht wieder auf. Auch aus der Unterwelt der alten Griechen kehrten nur ganz wenige wieder zurück ans Tageslicht.

 

In unserem Körper gilt häufig das Prinzip "aus den Augen, aus dem Sinn", was kurzfristig angenehm erscheint, langfristig jedoch immer grössere Teile unseres Körpers und damit auch unseres Bewusstseins und unserer Wahrnehmung allgemein in den Schatten treten lässt. Und genau das passiert bei vielen Menschen mit dem Beckenboden. Sexualität und Ausscheidung, Weiblichkeit, Männlichkeit sind Themen, die bei aller Freizügigkeit immer noch mit einem Tabu belegt sind. Einem unterdrückten "Darf-nicht-sein" folgt seit einigen Jahren ein übertriebenes »Jederzeit-verfügbar«. Beides ist keine gute Grundlage für einen entspannten Umgang mit unserem Becken(boden). So fristet er bei vielen Menschen ein Schattendasein und büßt im Lauf der Jahre immer mehr Vitalität und Lebendigkeit ein. Was insgesamt Auswirkungen auf unsere Vitalität hat. Der Beckenboden ist unsere Basis. Er hat immense Auswirkungen darauf, wie wir im Leben stehen oder durchs Leben gehen. Seine Spannung hat Auswirkungen auf die Stellung der Beine und umgekehrt, auf das Funktionieren der inneren Organe und auf unsere Stimmung.

 

Sprungbrett in die Spiritualität

 

Wie der Name schon erwarten lässt, arbeitet die Polarity-Therapie mit Gegensätzen. Polarity-Therapeuten gehen davon aus, dass Energie die Grundlage aller Erscheinungen ist, von der Idee bis hin zur physischen Verwirklichung. Im Menschen manifestiert
sich beispielsweise Energie in Form von Gedanken, Gefühlen und – in ihrer höchst verdichteten Form – als greifbarer Körper. Energie ist Leben. Über Polaritäten wie heiss – kalt, männlich –weiblich, oben – unten, wird sie für uns erfahrbar. Die Energie, die im
Spannungsfeld zwischen zwei Polen fließt, ermöglicht Veränderung und Leben. Ohne Polarität gäbe es keinen Unterschied, keine Denkfähigkeit, keine Empfindung und keine Sinneseindrücke. Unzählige polare Beziehungen sind in jedem Organismus aktiv. Kundalini, die Schlangenkraft, wohnt zusammengerollt am Fuss der Wirbelsäule, also im Beckenboden. Durch verschiedene meditative Praktiken kann sie erweckt werden und steigt auf.

 

Randolph Stone sieht im Beckenboden das Sprungbrett für spirituelle Erfahrungen. Das kann sowohl körperlich als auch geistig verstanden werden. Nur wenn wir uns auch mit den Tiefen unseres Unterbewusstseins auseinandersetzen, können wir auf der anderen Seite frei werden für geistige oder spirituelle Höhen. Nur wenn wir gut geerdet und fest verwurzelt sind, können wir fliegen. Energie fliesst immer nur dann, wenn beide Pole frei und bewusst sind. Dann entstehen Harmonie, Ordnung, Ganzheit und Vollkommenheit.

Behandlungsmöglichkeiten der Polarity-Therapie

Es gibt eine ganze Reihe von Yoga-Übungen, mit denen Sie einen Einfluss auf den Beckenboden ausüben kann. Wichtig ist immer, dass das nicht nur funktionell, sondern mit dem entsprechenden Bewusstsein beispielsweise über die Atmung geschieht. Eine zumindest grobe Vorstellung von der Anatomie ist ebenfalls hilfreich. In der Polarity-Therapie arbeite ich direkt mit den Muskelschichten des Beckenbodens. In der Regel nutzen wir den Beckenboden dabei in Verbindung mit einem anderen Pol. 

 

Über Kontakte an Zwerchfell und Beckenboden lässt sich die Atmung viel tiefgreifender beeinflussen, als wenn ich nur mit der Lunge und dem Zwerchfell arbeite. Randolph Stone hat den Beckenboden als negativen Pol des Zwerchfells bezeichnet und spielt damit besonders auf den Zusammenhang zwischen Atmung und Gefühlsleben an. Er spricht in diesem Zusammenhang von der vitalen Kraft der blockierten Gefühle und spielt darauf an, wie viel lebendiger wir sind, wenn wir unsere Gefühle wirklich zum Ausdruck bringen, anstatt sie zu unterdrücken.

Über das craniosacrale System sind Kopf und Becken direkt verbunden. Die Arbeit am Beckenboden hat über die Faszien und das Nervensystem einen grossen Einfluss auf den Kopf und wirkt oft Wunder bei Kopfschmerzen und Migräne. Mit Hilfe der Reflexpunkte im Beckenboden und am Hals lassen sich sowohl akute Beschwerden lindern, als auch über längere Zeit die Anzahl und Heftigkeit von Migräneanfällen deutlich verringern. In vielen Fällen und bei entsprechender Lebensumstellung verschwinden sie sogar ganz.

Kopfschmerzen sind nicht der einzige Indikator dafür, dass der Plus-Pol aus dem Gleichgewicht geraten ist. Bei Hitze, Fieber, Schmerz, Schwellungen, Entzündungen und Stauungen kann das Arbeiten mit dem Beckenboden als Gegenpol ebenfalls Erleichterung bringen. Blockierte Becken- und Beckenbodenmuskeln können unter anderem der Grund sein für Gebärmutter-, Blasen- und Mastdarmsenkungen, aber auch ein verkürztes Bein, Kniebeschwerden, Menstruations- und Prostatabeschwerden oder auch Bandscheibenvorfälle.

 

Das gilt zusätzlich für alles, was mit dem Nervensystem zu tun hat. Gereiztheit, Überdrehtheit, Nervosität lassen sich mit Hilfe der Beckenbodenarbeit genauso beeinflussen wie depressive Verstimmungen oder Niedergeschlagenheit. Das Ganglion impar, das unterste, unpaare Grenzstrangganglion sitzt direkt vor dem Steißbein, wenn man so will also mitten im Beckenboden. Wenn wir diese Verbindung zwischen Beckenboden und Nervensystem mit im Blick haben, können ganz andere Kräfte frei werden, als wenn wir uns nur auf die Muskeln konzentrieren.

 

Recht strukturell kann man hingegen den Einfluss des Beckenbodens auf Ischiasbeschwerden und Schmerzen im unteren Rücken betrachten. Ein Blick ins Anatomiebuch eröffnet hier eine Reihe von Zusammenhängen. Ähnliches gilt für die Schwangerschaft, wo der Beckenboden im wahrsten Sinne des Wortes einiges zu tragen hat. Als letzten Einsatzbereich möchte ich noch die inneren Organe, und zwar sowohl die direkt im Becken liegenden wie Blase oder Gebärmutter als auch Leber, Magen und das gesamte Verdauungssystem erwähnen. Letztere sprechen besonders gut auf eine Behandlung der Beckenbodenreflexe in Kombination mit der Wirbelsäule an.

 

Als Polarity-Praktizierende weiss ich um diese Zusammenhänge und leite Interessierte gerne an, wenn es darum geht, mehr über ihren Beckenboden und seinen Einfluss auf ihre Vitalität und ihr Wohlbefinden zu erfahren.

Beckenbodenmuskeln stärken

Ihr Becken ist, wie Sie als ganzer Mensch, ein anatomisches Wunder der Natur: Darm- und Schambein sowie der Ischiasknochen sind erst mit 10 Jahren als Knochen wirklich verbunden, bleiben jedoch beweglich. Das lässt Sie vorwärts, rückwärts und seitwärts gehen. Sind alle Bewegungen in alle Richtungen harmonisch möglich, ist Gesundheit im Becken zuhause und es gibt Auskunft darüber, wie Sie sich durchs Leben bewegen.

 

Was können Sie tun? 

 

Es ist sehr sinnvoll und es reicht erstmal vollkommen aus, sich Ihre täglichen Bewegungen bewusst zu machen wie Stehen, Sitzen, Gehen. Finden Sie heraus und verstehen Sie, wo welche Muskeln sind und wie sie arbeiten.

 

Wenn die Knochenstruktur gut ist, braucht es grundsätzlich KEINE Muskelstärkung! Anfangs ist sogar das Gegenteil wichtig, da ist Entspannung erwünscht. Ein sehr wertvoller Anfang ist das Gehen, Wandern, Walken, Hocken und Entspannungsübungen.

 

Natürlich gesund bewegen. 

 

Haben Sie weitere Fragen zum Thema? Dann schreiben Sie mir

 

Herzliche Grüsse

Gertrud Keller

Dipl. Polarity Therapeutin

KomplementärTherapeutin eidg. Dipl.

…der Beginn eines neuen Gesundheitsbewusstsein.

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Quellen und Referenzbeiträge: