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Vom Glück, eine Erdenbewohnerin zu sein

Ich bin diese Ferien unterwegs ohne Internet- und Telefonanschluss. Das digitale Zeitalter geht auch an mir nicht vorüber und ich habe eine intensive Zeit digitaler Arbeit hinter mir. Ich brauche dringend Abstand und - eine Neuorientierung.

 

Ich finde meinen neuen Standpunkt und Fokus auf einem Strandweg zum Mond und wieder zurück. Lies hier die ganze Geschichte...

 

Strand und Meer haben wir direkt vor der Haustür: 16 Kilometer Sandstrand für uns zu erobern, 9 Kilometer in die eine, 7 Kilometer in die andere Richtung. Wir ziehen los. Zu Fuss. Die Nacht zuvor regnete es und das liess den Sand fester werden. Sieht so eine Mondlandschaft aus? Gerade keine Menschenseele unterwegs. Aber Spuren. Spuren von Menschen, die vor uns hier waren. Wir machen uns einen Spass draus und lesen Spuren. Vom baren Fuss auf die Körperhaltung und allfälligen Beschwerden eines ganzen Menschen schliessen, das ist für mich als Körpertherapeutin sehr interessant. Schuhabdrücke. Von Stöckelschuhen. Wer geht am Strand mit Stöckelschuhen spazieren?

 

Da ist auch die Häuserzeile entlang dem Meer: Mehr- und Einfamilienhäuser aneinander gereiht. Welches ist das Schönste am ganzen Strand? Alles zu. Geschlossen. Niemand da. Es ist keine Saison.

 

Dem Wind, Meeresrauschen und den Möwen lauschen, Muscheln und Steine sammeln. Das bringt den Boden nahe, und rückt den Blick zurecht auf die erdige Welt. Ruhe und Zeit sich zurück zu erinnern an das, was einem wirklich wichtig ist, sich neu zu orientieren. Da steht dieser junge Mann am Meer, sieht hinaus aufs Meer. Kopfhörer in den Ohren. Wir grüssen ihn. Trotzdem. Er lauscht dem Meeresrauschen - das aus seinem Smartphone kommt - wie er sagt. Will ich das jetzt verstehen?

Die Geisterstadt

Nach einer Weile kommen wir an unser Ziel: die Stadt am Ende der 7 Kilometer. Da steht dieses Gebäude vor uns in den Sand gebaut. Sieht aus wie ein riesiger Schiffsbug. Daneben der Name der Stadt – kunstvoll auf eine Mauer gesprayt. Wir umrunden den „Schiffsbug“ und stehen vor – riesigen Wohnsilos! Zuerst einmal blicken wir nur diese riesigen Wohnsilos an, die nicht aufhören wollen. Schockierend. Unerwartet. Niemand zu sehen. Sie bilden eine riesige, hohe Mauer. Das macht uns eine Weile sprachlos.

 

Wir gehen entlang dem Kanal. Fischerboote. Segelschiffe. Der Wind spielt mit den Masten, den Leinen. Es klimpert geisterhaft im Wind. Ansonsten ist alles still, alles aufgeräumt, leer. Die Wohnsilos: unbewohnt, keine Menschenseele zu sehen. Fensterstoren - geschlossen. Auf einmal kommt uns etwas entgegen. Es bewegt sich. Das ist ja ein menschliches Wesen! Nicht damit gerechnet. Wir erschrecken geradezu.

 

Wir gehen weiter. Kleiner Hafen mit Segelschiffen. Diese unbewohnten Wohnsilos ummauern diesen Hafen. Wir gelangen zur Brücke über den Kanal. Sieht aus wie ein Raumschiff. Ich blick durch die Luken hin zum Geisterhafen. Der grössere Teil des Hafens kommt ins Blickfeld. Rundum: Wohnsilomauern. Keine Menschenseele, doch da – ein einzelnes menschliches Wesen kommt uns nochmals entgegen, auf einem Fahrrad, das kennen wir. Da leben wirklich Menschen? Wir sind überrascht. Wir gehen langsam weiter. Nicht geheuer. Stille liegt über allem. Eine Geisterstadt wie aus einer anderen Zeit. Wo sind wir hier denn gelandet? Auf dem Mond? 

Die Höhlenbewohner

Da! Zwei Wesen sitzen vor uns auf einer Bank und scheinen zu reden, bewegen sich! Auf einmal sehen wir auch sie: eine dunkle, offene Höhle inmitten dieser Geisterstadt! Viele Leute sitzen davor! Eine bewohnte Höhle? Wir nähern uns, weil diese Ansammlung macht uns neugierig darauf, wer die sonderbaren Wesen sind. Wir werden beobachtet. Als kämen wir von einem anderen Stern. Uns geht es umgekehrt genauso. Was sind das für Aliens, die an diesem Ort, in dieser Höhle leben? Sie sitzen rund um Tische in und vor der Höhle. Die Höhle entpuppt sich als einen Treffpunkt, sie haben Gläser mit Getränken vor sich auf den Tischen stehen.

 

Es wird ganz ruhig, als wir uns auch an einen noch leeren Tisch setzen und etwas zu trinken bestellen. Gespräche und Gemurmel gehen schliesslich weiter. Offenbar wurden wir als ungefährlich eingestuft. Darüber sind wir doch froh. Ich blicke weg von dem Treffpunkt, die Mauern der Wohnsilos hoch am Ende der Strasse. Erschreckend tot. Und doch gibt es Leben. Leben offenbar einige Aliens hier in dieser Geisterstadt. Staunen.

 

Ich blicke Richtung Höhle und beobachte die seltsamen Wesen genauer. Sie reden, gestikulieren, murmeln miteinander. An jedem einzelnen Tisch. Und dann sehe ich es:

 

Sie alle reden miteinander!

 

Sie schauen sich gegenseitig an, sind einander zugewandt, hören zu, reden miteinander! Ihre Hände, sie brauchen sie zum Reden, zum Gestikulieren, die ganzen Körper reden. Zwischendurch nehmen sie die Gläser in die Hände und süffeln daran. Und noch etwas sehe ich jetzt! Keines, aber wirklich kein einziges dieser Wesen – hat eines dieser Tippgeräte in der Hand oder vor sich auf dem Tisch liegen, die ausserhalb dieser Geisterstadt benutzt werden. Wo aber keiner mehr mit dem anderen redet. Wir sehen kein einziges dieser Geräte hier...

 

Was um Himmels willen...? Eine neue Spezies von Lebewesen? Lebewesen, die ohne diese Tippgeräte auskommen?

Die Verbindung zweier entgegengesetzter Welten

Wir beginnen uns richtig wohl zu fühlen inmitten dieser seltsamen Wesen. Es ist absolut beruhigend. Sehr beruhigend. Wir erkennen uns selber in ihnen. Wir sprechen genauso miteinander, wie diese Aliens es tun. Wir haben auch keines dieser Geräte dabei, den Fotoapparat ja. Freuen uns auf einmal, dass wir den Weg hierher gefunden haben. In diese Höhle inmitten der Geisterstadt, wo Leben ist. Wir sitzen dankbar hier und geniessen den warmen, sonnigen Tag. Dankbar und beruhigt, diese Spezies von menschlichen Wesen getroffen zu haben, welche die gleichen Bedürfnisse an den Tag legen wie wir sie haben. Wir sind nicht alleine, nicht die einzigen mit dem Bedürfnis, miteinander zu reden, statt zu tippen.

 

Später gehen wir denselben Weg zurück, den wir gekommen sind. Die 7 Kilometer Strandweg zurück an den Ausgangsort. Erfüllt. In Frieden. Das Meeresrauschen, die Möwen über uns, der Wind, die Sonne, das alles begleitet uns. Glücklich darüber, hier auf dieser Erde leben zu dürfen. Diesmal kommen uns Menschen entgegen. Was werden sie wohl entdecken? Und - wer ist jetzt Alien? Wer Mensch?

Finde deine Mitte

Das Bedürfnis nach menschlichem Kontakt, miteinander zu reden, zuzuhören, miteinander zu sein, einander gegenüber zu sitzen und sich anzusehen beim Reden, sich zu berühren, zu kommunizieren auf verschiedenen Ebenen - ist das urmenschlichste Bedürfnis. Es ändert sich nicht. Wir können uns dem nicht entziehen. Wir sind auf Beziehung angelegt. 

 

Ich selber bekenne mich dazu, ein Wesen zu sein, das diese reale Bodenhaftung zum Leben braucht: ich brauche wirkliche Menschen um mich, Beziehungen, gesunde Nahrung, einen Ort, wo ich mich zuhause fühle und alles, was das wirkliche Leben ausmacht und so reich macht. Auf der Erde.

Die digitale Welt (Soziale Medien und Netzwerke) berechnet Beziehungen und ersetzt dieses wirkliche, volle Leben keineswegs. Das ist auch keine künstliche Intelligenz - denn sie hat keine Emotionen und Gefühle für uns. Sie ist einfach - gerechnet. Es sind Formeln. 

 

Ja, es geht um menschliche, soziale Beziehungen. Und die sind weder berechenbar noch voraussehbar. Da ist alles in lebendiger Bewegung - tagtäglich aufs Neue. Verlieren wir diesen Kontakt und diese Bewegungen, zu uns selbst und zum Umfeld, verlieren wir den Boden und werden wir krank. Es gilt die eigene Balance zu finden, die eigene Mitte und seinen eigenen Weg. 

 

Und darauf setze ich meinen Lebensinhalt und das macht meine Arbeit aus. Ich helfe Menschen, wieder in Beziehung zu sich selbst, ihrer Selbstheilungskraft, ihrem Umfeld und Anforderungen ihres Lebens zu kommen und damit gesund zu werden. Weg von Schmerzen, Beschwerden, Stress und hohen Belastungen. 

 

Und das geht nur in persönlicher Zusammenarbeit.

 

Mehr persönliche Beziehung - weniger digitales Leben. Du findest mich - auf dieser wunderbaren Erde - wenn du es auch willst!

 

Herzlich, Gertrud Keller

Polarity Therapie, KomplementärTherapeutin eidg. Dipl.

...der Beginn eines neuen Gesundheitsbewusstsein. 


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