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Lifestyle / ZeroWaste / FoodWaste

Wenn ich in der Welt etwas verändern will, muss ich bei mir selbst anfangen...

Die Gedanken und Konsequenzen der beiden "Bewegungen" lebe ich schon mein ganzes Leben lang. Also lange bevor es diese Begriffe überhaupt gab. Für mich war das stets so selbstverständlich, dass ich gar keine Worte darüber verlor. Ich lebte das einfach so stressless wie möglich, weil es mir wichtig ist.

 

Konsequent überlege ich mir, was ich einkaufe, vor allem beim Grossverteiler, um keine Lebensmittel wegzuschmeissen. Ich frage mich auch, ob ich Abfall von anderen entsorgen will und meine damit das ganze unglaubliche Verpackungsmaterial, das bei Einkäufen anfällt. Das war mir schon immer ein "Dorn im Auge".

 

Auf jeden Fall sind wir in unserem 2-Personen-Haushalt auf 1 35lt-Abfallsack pro 3 Wochen angekommen, den wir der Müllabfuhr übergeben.

 

Doch jetzt ist die Zeit reif für einen weiteren Schritt in Sachen Abbau unseres eigenen Abfalles: im August wollen wir noch mehr als bisher unverpackt einkaufen - und das vor allem bei Grossverteilern wie Migros mit Alltagsartikeln.

 

Wie weit werden wir kommen und was werden wir erleben?

 

Bei kleinen Läden wie die Bäckerei, Käserei oder den Metzger habe ich keine Bedenken. Die Wochenmärkte sind sowieso kein Thema. Da mein Partner und ich voll berufstätig sind, überlegen wir uns unsere Einkäufe gut und wie wir das umsetzen. Ob und wie uns das Projekt gelingt, darüber berichte ich hier.

 

Nebenbei: In meiner Praxis bin ich schon auf ZeroWaste! Ich habe KEINEN Abfall. Das heisst, einen 17lt-Kehrrichtsack pro Quartal stelle ich für die Müllabfuhr raus! Und damit lebe ich sehr gut. Gertrud Keller - Gesundheit mit Polarity - die ZeroWaste-Praxis! Ich bin überzeugt, grüner kann ich nicht mehr werden!

 

Das Ziel jetzt aber im privaten Haushalt: Einen 35-lt-Kehrrichtsack pro 4-6 Wochen. Ein smartes Ziel!

Unverpackt einkaufen - 10 Tage sind rum...

Was haben in diesen Tagen beim Grossverteiler getestet und eingekauft: Obst, Gemüse, Käse, diverse Haushaltartikel inkl. Hygieneartikel.

Erfahrungen

Schon beim ersten Einkauf mit Ziel 'unverpackt' sind wir angenehm überrascht! Obst und Gemüse ist problemlos unverpackt einzukaufen. Kräuter, die ich hier einkaufen will, weil ich sie im eigenen Garten nicht habe, sind verpackt und anders ganz einfach nicht erhältlich. 

 

An der Käsetheke ist diese Art Einkaufen offensichtlich bereits angekommen. Dein Gefäss wird am Ende vom Personal aber nicht verschlossen, das Argument kann ich weder nachvollziehen noch verstehen - versteht die Mitarbeiterin es? Ich versuche schon gar nicht, es hier wiederzugeben. Darüber nachdenken will ich auch nicht, denn ich habe bekommen, was ich wollte. Die Auswahl an der Theke ist beschränkt, doch dafür haben wir im Normalfall 'unsere' Käserei oder es stehen uns die regionalen Märkte zur Verfügung.

 

Einige Artikel kaufen wir im Glas statt Plastikbeutel - ich habe hier also auch eine Wahl!

 

Haushaltartikel: Die Verpackungen der Haushaltartikel entsorge ich direkt nach der Bezahlung an der Kasse. Der Grossverteiler ist eingerichtet mit verschiedenen Abfallkübeln und gar einem Tisch mit Abfallkübel in einer Ecke. Verpackung direkt da entsorgen, wo ich sie "einkaufe" - diese Idee hatte ich schon lange, doch erst jetzt setze ich sie um! 

 

Broteinkauf in der Bäckerei: Dieser Part übernimmt mein Partner. Er hat es in diesen Tagen noch nicht geschafft, den dafür vorgesehenen Brotsack mitzunehmen und das Brot ohne Papier zu verlangen! Er arbeitet daran;-) 

 

Auch wenn wir dieses Projekt in erster Linie für uns persönlich durchziehen, erzählten wir in unserem Umfeld aus Neugierde davon. Einige lustige Reaktionen: 

  • Grosses Staunen, dass wir NUR einen 35-lt-Kehrrichtsack pro 3 Wochen hatten und das jetzt nochmal ausweiten wollen, weil Bekannte einen Sack pro Woche auf sicher haben und sich so wenig Abfall zu haben nicht im Mindesten vorstellen können. Wie sollten sie das auch anstellen, auf weniger zu kommen...
  • Eine andere meinte, da müsste sie ja beim Einkaufen denken und bei einem 5-Personen-Haushalt könne sie diese Zeit nicht auch noch aufbringen...
  • Unser Einkaufsverhalten ist so: wir kaufen wenn immer möglich Frischprodukte auf den Wochenmärkten oder auf den Self-Pick-Feldern der regionalen Bauern ein, weil eben auch unverpackt! Beim Grossverteiler kaufen wir in der Regel - auch sehr preisbewusst "den Rest" an Alltagsprodukten ein. DAS bringt uns regelmässig den Mahnfinger der Migros ein! Der Migros sind wir nicht "grün" genug...

Erste Erkenntnisse und Überraschungen

Zuhause nach dem Einkauf: Bisher jeweils nach dem Einkauf noch eine ganze Weile damit beschäftigt, die Einkäufe umzupacken und zu verräumen, steht uns diese Zeit ab sofort zur freien Verfügung! Wir haben mehr freie Zeit!

 

Wir haben in dieser kurzen Zeit bemerkt: wir kaufen weniger ein! Wir kaufen aber noch mehr DAS ein, was wir wirklich benötigen. Wir sparen Geld!

 

Wir realisieren, wir werden es kaum schaffen, den Kehrrichtsack in einem Monat zu füllen. Da tauchen jetzt praktische Fragen auf: wie gehen wir um mit zum Beispiel Käserinden oder Fischgeräten, die im Abfallkübel nach einer Weile zu stinken anfangen... (die Lösung ist momentan darin gefunden, indem ich das einfriere!)

 

Wir machen weiter und lernen, optimieren. Wir sind uns sehr bewusst, dass wir einiges an Alltagprodukten bei den Grossverteilern keinesfalls unverpackt einkaufen können. Unser Ziel ist: so viel wie möglich nachfragen, keine Konfrontation, sondern Lösungen. Während unseren Ferien in Frankreich diesen Sommer fanden wir überraschenderweise beim Grossverteiler 'Carrefour' eine Abteilung für unverpacktes Einkaufen mit Alltagsartikeln wie Haferflocken, Reis, Zucker usw.. Das wäre wohl ein Vorbild für die Grossverteiler in der Schweiz.

 

Und - einige Alltagsprodukte wollen WIR aus verschiedenen Gründen nicht unverpackt einkaufen...

 

In den nächsten Tagen werde ich einen Laden in Biel auf Herz und Nieren prüfen, der Alltagsprodukte unverpackt anbietet. Aufwand und Weg ist je nachdem machbar...

Eine kleine Schlussfolgerung

Unser Leben OHNE Abfall erscheint mir/uns unrealistisch. Und schon unsere Vorfahren produzierten Abfall. Es wurde schon immer Abfall produziert. ZeroWaste ist ein Extrem, das uns anregt, umzudenken. Das andere Extrem sind die Bilder der unglaublichen Abfallberge, denen wir in den Medien begegnen und die auch nachdenklich machen...

 

Wichtig erscheint mir und auch meinem Partner: Wir können die Art und die Menge an Abfall selber wählen. Und entscheiden, wo wir stehen wollen. Wichtig ist auch - die Körpertherapeutin kommt durch: Wir Menschen produzieren ebenfalls Abfälle aus unserem Körper. Es ist ganz natürlich, unvermeidbar und lebensnotwendig. Ich kann auch hier jederzeit selber entscheiden, WAS ich in meinen Körper aufnehme, damit es mir gut geht und ich gesund bleibe. Ich kann nämlich auch Abfall produzieren, der "zum Himmel stinkt".

 

So ist diese äussere Haltung dem Abfall gegenüber auch eine Haltung sich und seinem Körper gegenüber!

 

Zeig mir deinen Abfall und ich sage dir, wie du mit dir selbst umgehst...

 

Fortsetzung folgt...

 

Herzlich, Gertrud Keller