· 

Was BURNOUT wirklich heisst

Bei vielen Menschen ruft heute der Begriff „Burn-out“ Stirnrunzeln, Unverständnis, spöttisches Grinsen oder andere abwertende Reaktionen hervor. In den Topf „Burnout“ wird alles hinein gepackt und –projiziert, was nicht – oder noch nicht – rational erklärbar ist, wenn ein Mensch nicht mehr kann: Stressbelastung bis Schlafstörungen, von organischen Erkrankungen bis psychosomatischen Beschwerden.

 

Gerade las ich den Artikel eines bekannten deutschen Autors und Seminarleiters, der mich veranlasste, meinen bereits im 2013 veröffentlichten Blog-Artikel „Burnout – ein Begriff“ zu überarbeiten:

 

„Zu wenig (Lebens)Energie? Müde, schlapp, unmotiviert? Oder gar Burn- oder Boreout gefährdet - auf dem Weg in den Seeleninfarkt?

Die Lösung könnte so einfach sein und wird gerade deshalb so oft übersehen. Ich habe 60 Jahre nicht gemerkt, was mich gebremst, benebelt und meine Sicht getrübt hat. Dabei war es einfach der allgegenwärtige Weizenkleber. Seit ich ihn weglasse, ist mein Hirn wie befreit.“

 

Ich gratuliere dem Autor wirklich dazu, dass er nach 60 Jahren herausgefunden hat, was ihm nicht gut tut. Und schön, dass dabei nicht erst Schlimmeres passieren musste. Weizenkleber ist ein wirklich grosses Thema für das menschliche Verdauungssystem, da stimme ich absolut zu. Aber hier von „Burnout“ zu reden, so einfach ist es leider nicht…

 

Burnout? Boreout? Seeleninfarkt?

 

Für viele Menschen ist „Burnout“ das, was sie ausserhalb eines anderen Menschen zu sehen bekommen:

  • extremes Leistungsstreben,
  • persönliche Bedürfnisse vernachlässigen,
  • innere Konflikte übergehen,
  • am Wertesystem zweifeln,
  • sich zurückziehen,
  • eine „Managerkrankheit“ haben - und
  • dergleichen mehr.

Diese undifferenzierte Wahrnehmung prägt die Öffentlichkeit und hat sich durchgesetzt.

 

1974 wurde der Begriff „Burnout“ von Herbert Freudenberger, einem amerikanischen Psychologen geprägt. Er hat verschiedene Phasen dieses „Syndroms“ identifiziert. Seit dann hat das Wort sich entwickelt und viele Bücher wurden darüber geschrieben.

 

„Syndrom“ meint, dass die traditionelle Medizin nicht weiss, was der Patient wirklich hat. 

 

Der Begriff „Burnout“ wird nach meinen Erfahrungen heute missbraucht und lässt sich aber auch kaum mehr retten. Der Ausdruck hat seinen Sinn verloren. Deshalb hier der Versuch der Klärung eines ausser Kontrolle geratenen Begriffes.

Der Brennprozess "Burnout"

Verwendet wird der Begriff "Burnout" eigentlich für:

  • Raumfahrt: Brennschluss der Triebwerke und daraufhin einsetzender antriebsloser Flug: Bei einer Rakete wird als Burn-out der Punkt bezeichnet, an dem der Raketentreibstoff aufgebraucht ist und die Rakete in den freien Flug (freien Fall) übergeht.
  • Flugwesen: Ausfall eines Strahltriebwerks aufgrund eines durch einen technischen Defekt hervorgerufenen Verbrennungsstopps
  • Physik, Kernphysik: das Durchschmelzen der Ummantelung von Brennstoffelementen in Kernreaktoren aufgrund einer durch mangelnde Kühlung hervorgerufenen Überhitzung

Also ein Prozess, der nach perfekten Gesetzen der Natur funktioniert.

 

Eine kurze geschichtliche Entwicklung des Begriffes, oder wie angefangen wurde, ihn für Menschen zu verwenden, finden Sie unter diesem Link: http://de.wikipedia.org/wiki/Burnout-Syndrom.

 

In der Medizin und Psychologie wird er für den Zustand völliger geistiger, seelischer und körperlicher Erschöpfung aufgrund von dauerhafter Überbelastung (durch Beruf, Familie und anderem) verwendet.

 

Der Begriff wird für Menschen verwendet, die etwas erleben, das niemand wirklich nachvollziehen kann.

 

Für mich ist es unverständlich, wie man solch einen brutalen Brennprozess beim Menschen mit Stressunfähigkeit, extremem Leistungsstreben, Vernachlässigung persönlicher Bedürfnisse, übergehen von inneren Konflikten usw. gleichsetzen kann. Diese Beschreibungen sind Auswirkungen eines individuellen Lebensstils bei einem Menschen. Einen Brennprozess zu erleben braucht insbesondere Stressfähigkeit, Bodenhaftigkeit, viel Kraft! Die Frage ist dann einzig, warum das so ist.

 

Die deutsche Übersetzung von „Burnout“ lautet „Ausbrennen“. Was kann bei einem Menschen KONKRET ausbrennen? Denke einmal über das nach!

Der Brennprozess beim Menschen

Bevor das Wort „Burnout“ ‚in‘ wurde, redeten wir im deutschsprachigen Raum vom Nervenzusammenbruch.

 

Aha! Etwas Konkretes! Können Nerven denn ‚brennen‘?

 

Ja!

 

Nerven sind elektromagnetische Kräfte und dies kannst du konkret erfahren, wenn du beispielsweise deinen Ellenbogen an der Autotür anschlägst und es "elektrisiert". Und jetzt stell dir einmal analog vor, dass das elektrische System deines Hauses brennt und du stehst mitten darin!

 

Wie ist so etwas beim Menschen möglich und warum? Wie fühlt sich das an? Was muss passieren, dass es soweit kommt?

 

Mein eigener totaler Zusammenbruch mit anschliessendem Ausbrennen (den ich mir so kaum wünschte...) brachte mich persönlich zu teilweise einfachen Antworten rund um ein äusserst komplexes Thema. Auch Antworten, die bereits uralt sind. Aufgrund meines eigenen Zusammenbruchs kann ich die Dynamiken rund um das Thema Brennen beim Menschen aufzeigen.

 

Der „Brennprozess“ beim Menschen ist vom Prinzip her ebenso brutal und traumatisch. Er findet im Innern eines Menschen statt, den keiner sehen und nur ein Betroffener beschreiben kann. Er hat absolut nichts zu tun mit einer Rakete, einem Flugzeug oder Kernreaktoren. Einen "Brennprozess" im eigenen Körper zu durchleben, braucht sehr viel Kraft und Stehvermögen und hat absolut nichts mit Leistungsstreben zu tun sondern, einzig mit dem Überlebenswillen des Betroffenen - und der Prozess ist absolut keine Frage von „persönlichen Bedürfnissen“.

 

So etwas kann kein Mensch sich bewusst organisieren (wollen), wie dies die oben genannten Techniker tun. Und ja – bei einem Betroffenen können sich danach durchaus Verdauungsthemen zeigen. Themen, die er vorher meist anders verstanden hat. Und - Betroffene, die diesen Brenn-Prozess durchlebt haben, verdienen Unterstützung!

 

Wir suchen immer Gründe im Aussen und kaum in uns selbst. Wir analysieren, suchen, tranchieren, zerteilen, werten, urteilen... So wird dieser brutale Brennprozess beim Menschen mit Stressunfähigkeit, extremem Leistungsstreben, Vernachlässigung persönlicher Bedürfnisse, übergehen von inneren Konflikten usw. gleichgesetzt und abgetan.

 

Diese gerade erwähnten Eigenschaften sind alle als Auswirkungen eines individuellen Lebensstils bei einem Menschen zu verstehen und haben mit Ausbrennen grundsätzlich nichts zu tun. Jeder Mensch vernachlässigt mal seine Bedürfnisse, weil er gerade anders priorisieren muss. Jeder hat mal keinen Platz für einen Konflikt und vertagt die Klärung, weil er erst mal darüber nachdenken muss. Jeder strebt im Leben etwas an, will etwas erreichen und es hat nichts mit diesem Brennprozess zu tun. Jeder Mensch ist mal müde und erschöpft und bucht dann hoffentlich Ferien oder plant eine Auszeit. Und wenn dieser Lebensstil ausufernd, übermässig wird, dann sollte die eigentliche Frage eher lauten, warum dieser individuelle Lebensstil so ist!

 

Es ist sehr wünschenswert, wenn wir anfangen würden, korrekte Wörter und Begriffe zu verwenden, für das was wir ausdrücken wollen. Zum Anderen sollten wir anfangen, den Inhalt von entlehnten Wörtern zu verstehen oder erst darüber nachdenken, bevor wir sie einfach in unseren Sprachgebrauch übernehmen...

 

Auch „Seeleninfarkt“ ist nur das Spiel mit Worten...

 

Herzlich

Gertrud Keller 

Polarity Therapie

KomplementärTherapeutin eidg. Dipl.

...der Beginn eines neuen Gesundheitsbewusstseins.


Mehr zum Thema